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Wie man Green IT mit Websites vereint

Gedanken zum umweltschonenden Aufbau und Betrieb

JAM Software Marketing Manager Hendrik Christ

Hendrik

JAM Content Manager
Green IT Website Sustainablity
Veröffentlicht am 14.04.2022

Keine Frage, die Digitalisierung hat viele Vorteile, die sich nicht zuletzt direkt auf den Schutz von Umwelt, Natur und Klima niederschlagen. Ganz in diesem Sinne kann man es als Gewinn betrachten, wenn Käufer:innen Waren im Netz erwerben, statt sich selbst ins Auto zu setzen und in ein Geschäft vor Ort zu fahren.

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht beim Klimaschutz durch Digitalisierung: Während die Digitalisierung tatsächlich positive Auswirkungen hat, treibt sie natürlich auf der anderen Seite den Stromverbrauch in die Höhe – weltweit, wohlgemerkt. Der kumulierte Spareffekt wird deshalb zumindest verringert und schlägt sogar, glaubt man einigen Expert:innen, ins Gegenteil um.

Unter diesen Vorzeichen gerät ein Thema immer stärker in den Fokus, das für die meisten Menschen den täglichen Kontakt mit der Digitalisierung bedeutet: Webseiten im Allgemeinen. Unter dem Begriff „Sustainable Webdesign“ (also sinngemäß nachhaltiges Webdesign, abgekürzt SW) verbergen sich verschiedene Ansätze, hier den Stromverbrauch zu senken.

 

Das Netz und der Energieverbrauch

Mancher weiß vielleicht, dass die Digitalisierung einige „Lösungen“ hervorgebracht hat, für die zuvor eigentlich kein wirkliches Problem existierte und zudem viele digitale Blender agieren. Denken wir beispielsweise an irgendwelche Apps, die das Leben optimieren sollen, obwohl es bei vielen Nutzer:innen eigentlich schon ausreichen würde, einfach das Handy öfter beiseitezulegen.

Angesichts dessen kann man sich fragen, ob Sustainable Webdesign nicht vielleicht in dieselbe Kerbe einer Lösung ohne echtes Problem schlägt. Dem lässt sich ein deutliches Nein entgegensetzen: Wie die beiden Gründer von ViOffice bereits in einem Gastbeitrag erklärt haben, ist der Energiekonsum des Internets längst gigantisch. Allein die Server und Rechenzentren stoßen ähnlich viel CO2 aus, wie der globale Flugverkehr – zu normalen Zeiten, nicht durch die Pandemie gebremst. Dieser Wert wird voraussichtlich mit weiterer Digitalisierung ansteigen.

Diesbezüglich kann man bei jedem einzelnen Besuch einer nicht entsprechend optimierten Seite von einem CO2-Ausstoß im Bereich von ungefähr 1,5 Gramm ausgehen – je nach Seite natürlich mehr oder weniger.

Wenn es also ein solches Portal an einem Tag auf nur 1.000 Besuche bringt, sprechen wir von anderthalb Kilogramm. 10,5 in einer Woche. 547,5 in einem Jahr. Das mag im Vergleich mit dem Ausstoß eines Autos auf hundert Kilometern (im Schnitt etwa 15 Kilogramm) nach wenig wirken. Wir sollten dabei aber nicht die beiden „goldenen Regeln des Klimaschutzes“ vergessen:

  1. Die Masse macht‘s.
  2. Jede Einsparung zählt, weil #1 gilt.

Daneben muss hierbei noch zusätzlich der Einfluss auf Webseiten-Betreiber:innen mitberücksichtigt werden. Der muss in praktisch jeder Hosting-Konstellation für den Strom aufkommen, muss diese Kosten einpreisen – eine lange Spirale, die sich durch die Stellschrauben des SW teils empfindlich verbessern lässt.

Außerdem muss Sustainable Webdesign nicht teuer sein. Erstens, weil hierbei in steuerlicher Hinsicht dieselben Regeln wie bei einer herkömmlichen Vorgehensweise gelten. Zweitens, weil SW kaum besondere Anschaffungen und Techniken benötigt, sondern – wie so häufig – nur angepasstes Vorgehen.

Ein wirklich grünes Hosting

Selbst eine maximal optimierte Website wird niemals ohne Stromverbrauch auskommen. Das bedeutet, es ist zwingend nötig, Sustainable Webdesign als ganzheitlichen Ansatz zu begreifen und bei der Wurzel zu beginnen – dem größten Stromverbrauch, der für das Hosting anfällt.

Beginnen sollte die Arbeit damit - falls die Webseite schon besteht und extern gehostet wird, sich zu informieren, wie grün das eigene Hosting ist. Dafür bietet die „Green Web Foundation“ ein Prüf-Tool an.

Hier stellen sich mehrere Wege zur Auswahl:

  • Die Webseite wird bei einem offiziell als grün bekannten und lizenzierten Hoster aufgebaut und betrieben.
  • Die Seite wird selbst gehostet und es wird dafür ausschließlich ein grüner Stromanbieter genutzt – wodurch sich weitere Vorteile für den restlichen Stromverbrauch der Betreiber:innen ergeben.
  • Wird selbst gehostet, dann kommt nur dem realistischen Durchschnitts-Traffic entsprechende Hardware zum Einsatz.
  • In diesem Fall kann zusätzlich durch bauliche Maßnahmen eine Kühlung der Technik ohne Einsatz von Klimaanlagen sichergestellt werden – da befinden sich im Moment einige interessante Techniken mit Wasserkühlung in der Entwicklung.

Mit diesen Punkten ist bereits ein sehr wichtiger Teil der Arbeit getan. Wird darauf mit einem wirklich nachhaltigen Webdesign aufgebaut, entsteht ein insgesamt wirksames Konzept.

 

Zeitoptimierte Servernutzung

Das Internet ist 24/7 verfügbar. Allerdings ist es für viele Betreiber:innen durchaus fragwürdig, ob sie ebenfalls 24/7 präsent sein müssen. Jeder kann mit entsprechender Monitoring Software die starken und schwachen Zeiten seines Traffics analysieren.

Zumindest dann, wenn selbst gehostet wird, könnte es mit Blick auf die Umwelt durchaus eine Option sein, die sehr schwachen (Nacht-) Stunden mit stark reduzierter Kapazität zu fahren oder die Server sogar ganz auszuschalten.

Das mag zunächst abstrus klingen. Denkt man jedoch das Energiethema konsequent zu Ende, stellt sich zwangsläufig die Frage, warum selbst ein kleiner Server mehrere hundert und mehr Watt verbrauchen muss, um vielleicht nur eine Handvoll Besucher:innen zu erwarten.

 

Modularer und komprimierter Seitenaufbau

Letztendlich sieht es so aus: Jedes Bit und Byte, das übermittelt werden muss, benötigt Strom. Insofern bedeutet umweltschonendes Webdesign, alles Strombedarf zu reduzieren.

Ein wichtiger Ansatz sind die Module. Hier sollte nach Möglichkeit versucht werden, über die gesamte Seite so viele gleichbleibende (also mehrfach verwendete) Module wie nur möglich zu verwenden.

Zudem muss man nochmal gesondert betonen, wie energetisch wertvoll eine aufgeräumte Seite ist. Einmal abgesehen von modernen Design-Überlegungen, hilft ein insgesamt zurückhaltendes Layout natürlich auch bei der Reduzierung des Stromverbrauchs.

Der nächste Punkt betrifft Medien. Hochglanz-Webdesign hin oder her, aber dadurch ergibt sich immer eine Situation, in der unnötig hochauflösende und wenig komprimierte Medien vorgehalten werden müssen. Es sollte deshalb sowohl für Video- als auch Bildmaterial mit möglichst vielen Kompressionstechniken gearbeitet werden. Hier ist sehr viel möglich, ohne das Medienmaterial unschön wirken zu lassen – bei Bildern kann es sogar schon helfen, bei gleichbleibender Auflösung die Bittiefe von PNGs zu reduzieren. Das hat auch positive Auswirkungen auf das SEO.

Es handelt sich also abermals um Maßnahmen, die neben dem Umweltschutz einen weiteren positiven Effekt generieren können.

 

Warum die Pixel nicht mal schwarz lassen?

Gutes Sustainable Webdesign nimmt nicht nur Betreiber:innen in die Pflicht, sondern versucht auch, aufseiten aller Besucher:innen ebenfalls zum Stromsparen zu animieren.

Diesbezüglich sollten sich Betreiber:innen mit der Frage befassen, welcher Art immer mehr Bildschirme von Endgeräten aufgebaut sind. Hier ist es längst eine Tatsache, dass außerhalb des TV-Bereichs (wo es nicht mehr ganz so klar ist) vor allem immer mehr Mobilgeräte mit OLED-Displays ausgestattet sind.

Was das mit SW zu tun hat? Ganz einfach: OLED-Panels stellen Schwarz dar, indem sie die entsprechende LED einfach abschalten. Das heißt, dieser Bildpunkt verbraucht schlicht gar keinen Strom. Was das für das Webdesign bedeutet, leuchtet ein: Je mehr Schwarzanteile das Layout aufweist, desto weniger Strom müssen zumindest OLED-Endgeräte aufwenden, um es darzustellen.

Natürlich muss dies alles in den größeren Rahmen eines insgesamt ansprechenden Layouts und mitunter eines Corporate Design eingebunden werden. Zudem gibt es verschiedene Designphilosophien, die solche „umgekehrte“ Farbgebungen als anstrengender zu lesen bewerten. Es ist deshalb unbedingt eine Abwägungssache – die sich jedoch in der Tat lohnen kann.

 

Fazit: Auch Webseiten tragen ihren Teil bei

Keine Frage, die digitalisierte Welt hat perspektivisch einen gigantischen Strombedarf. Möchte man Green IT ernst nehmen, dann ist es wichtig, frühzeitig dagegen zu agieren.

Ob es nun die umweltbewusste Auswahl des Hosters ist oder eine bessere, zeitoptimierte Servernutzung, ein Seitenaufbau, der auf Komprimierung und Ressourcensparsamkeit achtet oder sogar ein Design, das mit mehr Schwarzanteil weniger Energie auf den immer wichtiger werdenden OLED-Displays verbraucht: Wir haben gelernt, dass auch Webseiten ihren Teil zum Energieverbrauch beitragen – und dementsprechend ein Einsparpotenzial bereithalten.

 

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